Die Zeitschrift Blaulicht war zu Gast bei der Freiwilligen Feuerwehr St. Martin am Wöllmissberg und sprach mit Kommandanten HBI Klug Konrad Josef.

von OBI Andreas Reiter

 

St. Martin a.W. mit seinen rund 800 Einwohnern liegt auf einer Höhe von 704 m südlich von Köflach und Voitsberg und gehört zum Großraum des oberen Kainachtales. Das Gemeindegebiet beinhaltet den zwischen dem Gössnitzbach und der Teigitsch gelegenen Wöllmissberg (791 m), sowie südlich davon einen Teil des Schusterbauerkogels (1288 m). Der Großteil der Gemeinde ist von Nadelwäldern und Wiesen bedeckt. Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Großwöllmiss, Kleinwöllmiss und St. Martin. Der wichtigste Wirtschaftszweig ist der Agrarsektor, vor allem Forst- und Milchwirtschaft. Daneben gibt es noch kleinere Gewerbe- und Tourismusbetriebe. An der Teigitsch befinden sich das Kavernenkraftwerk St. Martin welches 1965 errichtet wurde sowie die Langmannsperre. Durch das Gemeindegebiet führt auf ca. 3 km Länge die Südautobahn A2.

 

Schreckensnacht 1897

Zu den Osterfeiertagen des Jahres 1897 erlebte der Ort eine Schreckensnacht. Der Kirchenwirt stand in hellen Flammen sodass für die umliegenden Häuser und die Kirche höchste Gefahr bestand. Mit vereinten Kräften der mit Kirchengeläut herbeigerufenen Einwohner konnte der Brand unter Kontrolle gebracht werden. Dieses Ereignis gab den Anstoß im Jahre 1898 die Freiwillige Feuerwehr St. Martin am Wöllmissberg zu gründen. Heute zählt die Wehr 35 Mitglieder und verfügt über drei Einsatzfahrzeuge. Sie gehört zusammen mit den Feuerwehren Edelschrott, Pack, Hirschegg und Modriach zum Abschnitt 4 des Bereichsfeuerwehrverbandes Voitsberg. Das Einsatzgebiet beläuft sich auf rund 26 km² und beinhaltet einen Teil der Hirzmannsperre, die Langmannsperre sowie das dazugehörige Kraftwerk St. Martin. „Vor Allem sind die zum Teil weit verstreuten und sehr hoch gelegenen Bauernhöfe eine wirkliche Herausforderung für uns“ erklärt Kommandant Konrad Klug. „Einige unserer Anwesen liegen auf 1.200 Meter Seehöhe, die Anfahrtswege im Einsatzfalle nehmen da schon oft 30 Minuten in Anspruch“.

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Dem Löschbereich angepasstes Fahrzeugkonzept

Nur in der näheren Umgebung des Ortsgebietes verfügt die Gemeinde über ein Hydranten Netz. Um die Löschwasserversorgung im weitläufigen Gemeindegebiet bis zum Eintreffen nachbarschaftlicher Hilfe gewährleisten zu können, stand im Jahr 2005 die Ersatzbeschaffung des TLFA 3000 bevor. Für die Gemeinde war dies eine große finanzielle Herausforderung. Aber seit der Indienststellung hat sich die Investition des TLFA 3000, aufgebaut durch die Fa. Rosenbauer auf einem MAN 18.285 LA-LF für die Gemeinde und dem Feuerwehrabschnitt schon oft bewährt. Im Jahre 2013 musste man über eine Ersatzbeschaffung des Berglandlöschfahrzeuges nachdenken. Mit mehr als 32 Dienstjahren auf dem Buckel wurde es in den wohlverdienten Ruhestand überstellt. Als Ersatz freuen sich die Kameraden über die Anschaffung eines BLFA, aufgebaut auf einem VW Amarok. Dieses Fahrzeug wurde in Eigenleistung von den Kameraden kostenlos feuerwehrtauglich adaptiert und aufgebaut. „Unsere Eigenleistung für dieses Fahrzeug betrug über 1.000 Stunden, wir konnten der Gemeinde einen großen Betrag ersparen“ freut sich HBI Klug. Dies wurde beim 115-jährigen Bestandsjubiläum anlässlich der Segnung des neuen Einsatzfahrzeuges gebührend gewürdigt. Weiter steht den Kameraden ein MTFA, aufgebaut auf einem VW Kombi T4, Baujahr 1998 zur Verfügung.

Trockenperioden, Brandserien, Unwetter, Stürme

Die hohe Anzahl von verschiedensten Einsätzen legt die Sinnhaftigkeit eines angepassten Fahrzeugkonzeptes an den Tag. So kam es in den Achtziger bzw. neunziger Jahren zu ungeklärten Brandserien, wo mehrere Wirtschaftsgebäude den Flammen zum Opfer fielen. Bei einer Trockenperiode im Jahr 2002 mussten über mehrere Wochen mit dem TLFA und Unterstützung der Stadtgemeinde Köflach Wassertransporte durchgeführt werden. Ein verheerendes Unwetter suchte im August 2009 den Bezirk Voitsberg heim. Enorme Niederschlagsmengen verwandelten Bäche zu reißenden Fluten, Verklausungen von Geröll und Wurzelstöcken zerstörten Straßen und Brücken. Erst am darauffolgenden Tag wurde das gewaltige Ausmaß der Zerstörung sichtbar. Gebäude wurden zum Teil weggerissen, unzählige Keller überflutet. Fahrzeuge – darunter sogar ein Sattelzug – wurden zusammen mit unzähligen Siloballen und zahlreichen Mobiliar der zerstörten Häuser von der Flutwelle mitgerissen sowie mehrere Kilometer weggespült. Bei diesem Hochwasserereigniss wurden von den Kameraden aus St. Martin 450 Einsatzstunden geleistet. Auch die Sturmkatastrophe „Paula“ im Jahr 2008 forderte die Wehr ungemein. Die Einsatzaufträge reichten von umgestürzten Bäumen, kleine Waldbrände verursacht durch herabhängende Stromleitungen bis hin zu Sicherungsarbeiten bei abgedeckten Häusern und Wirtschaftsgebäuden. „Eine nahezu aussichtslose und schwierige Gesamtlage konnte unter Lebensgefahr in tagelanger Arbeit gemeistert werden“ erinnert sich der Kommandant. Sogar über die Gemeindegrenzen hinaus konnte Abhilfe geschaffen werden. Im August 2010 kam es zu einem gefährlichen Brand einer elektrischen Anlage im Kraftwerk St. Martin. Der Brand konnte erst nach Freigabe des Anlagenbetreibers von der Besatzung des TLFA 3000 gelöscht werden. Bis dahin schlugen immer wieder Flammen aus einem mit Öl gefüllten Behälter, welcher sich zwischen zwei hochspannungsführenden Bereichen befand.


Übungsbetrieb und Kameradschaft

Um die oben erwähnten gefährlichen Einsätze meistern zu können werden laufend Gruppenübungen sowie monatliche Gesamtübungen abgehalten. Hier werden vorrangig Übungen an Wirtschaftsgebäuden im weitläufigen Löschbereich vorbereitet. Aber auch die technische Hilfe bei Verkehrsunfällen wird zusammen mit der Ersten Hilfe Ausbildung regelmäßig durchgeführt. Auch gängige Leistungsabzeichen werden immer wieder absolviert. So wurde im heurigen Jahr das Feuerwehrleistungsabzeichen in Bronze und Silber „errungen“. Um die Kameradschaft zu pflegen wird alljährlich mit allen Mitgliedern und deren Angehörigen ein Familienwandertag unternommen. In zweijährlichen Abstand findet eine „Fahrt ins Blaue“ statt. Besonders stolz sind die St. Martiner Kameraden auf ihren dritten Platz für den „Schönsten steirischen Maibaum“ aus dem Jahr 2012 welcher einen wertvollen Preis eines Printmediums einbrachte. Abgerundet wird der Jahresreigen mit dem Feuerwehrfest welches einmal im Jahr abgehalten wird.